Mrz 272020
 

das Corona-Virus ist winzig klein. Wir können es mit bloßem Auge nicht erkennen. Und doch stellt es unser Leben auf den Kopf. Unsere Sicht auf die Welt verändert sich.  

Wenn ich durch die Heide gehe und anderen begegne, sind die Reaktionen unterschiedlich. Bei den meisten verbindet sich ein nordisches „Moin“ mit einem freundlichen Nicken. Schließlich stehen wir in derselben Situation, das verbindet ja auch. Den Sicherheitsabstand halten wir natürlich ein. Einige aber machen schon von weitem einen Bogen, den Kopf gesenkt, die Miene verschlossen. Keinen lässt das Virus unberührt.

Corona verändert uns. Menschen achten stärker aufeinander. Andere werden sich fremd oder sogar feind, weil sie sich anstecken könnten. Wir igeln uns ein – und müssen das auch, denn nach wie vor gilt es, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, um Zeit zu gewinnen. Zeit zur Vorbereitung, Zeit für Schutzmaßnahmen, Zeit für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten. Länder schließen ihre Grenzen, auch innerhalb Europas. Der Kampf gegen einen gemeinsamen Feind lässt vereinsamen, schließt uns aber auch in einer globalen Schicksalsgemeinschaft zusammen.

Nirgendwo wird deutlicher, dass wir eine weltweite Gemeinschaft darstellen. Der Blick der Kosmonauten auf die Erde – auf dieses wunderschöne und zart-zerbrechliche Gebilde, das wie ein Lebewesen wirkt, wird zu unserem eigenen. – Fern von uns, irgendwo in China, stecken sich Menschen mit einem Virus an, der die Artengrenze überwindet und von der Tier- auf die Menschenwelt überspringt (wenn es denn so gewesen ist), und keine paar Wochen später steht in Europa und weltweit nahezu das gesamte gesellschaftliche Leben still. Die Weltwirtschaft kommt in Teilen zum Erliegen. Alles ist mit allem verbunden. Vielleicht ist uns das noch nie so deutlich geworden. Der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, kann uns nicht mehr egal sein. Wir leben in einer Welt und gehören zusammen.

Als Christ*innen können wir uns erinnert fühlen an die Vorstellung vom einen Leib Christi, der viele Glieder hat. Der Apostel Paulus verwendet dieses Bild (1 Kor 12). Wir alle zusammen bilden diesen einen Leib. Und dieser Leib Christi, den wir alle gemeinsam bilden, „soll eine Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist. Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil gelobt, freuen sich auch alle anderen…“ (1 Kor 12, Verse 25-26; in der Übersetzung ‚Hoffnung für alle‘).

Ob uns die Erfahrungen, die wir momentan machen, in Zukunft helfen werden, globale Herausforderungen anzunehmen und globale Gefahren zu bannen?

Es liegt an uns!

Herzliche Grüße                   Ihre/ eure Pastorin Manuela Heise